Kunst und Technik bei der NMB. Schon Pablo Picasso wusste: "Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele." Dass das auch in einem technischen Forschungsinstitut gut funktionieren kann, zeigte die Ausstellung "Kunst und Technik" in der Neue Materialien Bayreuth GmbH (NMB). Dabei erfuhr der Werkstoff EPP eine ganz besondere Verwendung - in einem essbaren QR-Code mit Botschaft.

Sechs Bildende Künstler aus Bayreuth und der Region zeigten in einem Workshop der etwas anderen Art im Technikum der NMB, wie neue Materialien alternativ und kreativ verwendet werden können. Im Mittelpunkt standen hierbei die scheinbaren Gegensätze Kunst und Technik, deren Zusammenführung zu einem ästhetischen Genuss werden kann.

Anschließend war die Ausstellung an einem kompletten Wochenende für die Öffentlichkeit zugänglich und wurde ein voller Erfolg.

"In meinen Augen nimmt die Symbiose von hohem technischem Standard und schickem Design in der Wirtschaft einen immer höheren Stellenwert ein", sagt Christian Trassl, stellv. Bereichsleiter für die Sparte Kunststoffe bei der NMB und gleichzeitig Geschäftsführer des EPP-Forums. "Mit der Ausstellung wollten wir unsere Offenheit gegenüber dieser Entwicklung zeigen. Dass eine unserer wichtigsten Werkstoffklassen, die Partikelschäume, am konkreten Beispiel von EPP in einem Kunstwerk so eindrucksvoll Verwendung fand, freut mich natürlich besonders", so Trassl weiter.

Initiator, Mitaussteller und Schöpfer des QR-Codes Volker Wunderlich ist ebenfalls überzeugt von der fruchtbaren Verbindung von Kunst und Technologie und berichtet uns von seinen Erfahrungen:

Sie arbeiten seit 2002 als freischaffender Künstler und führen zusammen mit Ihrer Frau Andrea ein Atelier in Goldkronach. Haben Sie Ihr Hobby zu Ihrem Traumberuf gemacht?
Ja, das kann man so sagen - obwohl die Auftragsarbeiten, von denen wir hauptsächlich leben, nicht unbedingt immer etwas mit der landläufig herrschenden Vorstellung von "Künstlerromantik" zu tun haben. Manchmal sind wir schlicht Dienstleister auf hohem gestalterischen Niveau.

Wie kam der Kontakt zum EPP-Forum zustande?
Bei der letzten Kunst und Technik-Veranstaltung in einem großen Bayreuther Technikunternehmen kam der Kontakt zur Neue Materialien Bayreuth GmbH, bekanntlich ein Mitgliedsunternehmen des EPP-Forums, zustande. Ich informierte mich über das Tätigkeitsfeld des Instituts und dabei kam natürlich auch das EPP-Forum ins Gespräch.

Aufgrund einer Empfehlung des Oberbürgermeisters a. D., Dr. Michael Hohl, ergab sich schließlich der Kontakt zu dem sehr kunstinteressierten Prof. Dr.-Ing. Altstädt, Geschäftsführer der NMB. Schon bei den ersten Gesprächen stieß ich bei ihm und der Geschäftsleitung des EPP-Forums, Christian Trassl, auf viel Offenheit und Experimentierfreude.

Wie entstand die Idee zur Ausstellung "Kunst und Technik"?
Vor einigen Jahren habe ich für ein Bayreuther Technikunternehmen verschiedene Dekorationsmalereien im Neubau ausgeführt. In diesem Zusammenhang wurde ich - auch aufgrund der guten Zusammenarbeit vor Ort - von einem Mitarbeiter darauf angesprochen, ob ich es für möglich hielte, eine Veranstaltung für Kunst in Unternehmen im Bayreuther bzw. oberfränkischen Raum ins Leben zu rufen. Diese würde in regelmäßigen Abständen stattfinden und das Interesse von Unternehmen an regionalen Kulturschaffenden zeigen. Somit war die Idee geboren und der Grundstein gelegt.

Ein absoluter Hingucker war der begrünte QR-Code, der die Besucher am Eingang begrüßte. Wie kamen Sie auf die Idee, gerade den Werkstoff EPP dafür zu verwenden?
Einer der Hauptwerkstoffe der NMB ist ja das EPP. Unter den an der Ausstellung beteiligten Künstlern herrschte die Vereinbarung, möglichst nur vorhandene Materialien zu verwenden. Deshalb lag die Entscheidung für den Werkstoff EPP für mich auf der Hand. Außerdem ließ sich das EPP ausgezeichnet verarbeiten, sodass das Gestalten damit eine wahre Freude war!

Hat das Kunstwerk eine spezielle Botschaft?
Es sind schlicht die Worte "Glaube" und "Wissen". Ich möchte mit der Arbeit zeigen, dass sowohl der Glaube als auch die Wissenschaft bzw. die Forschung dem Menschen etwas geben können - nämlich eine Basis, auf der er wachsen kann. Obwohl so grundverschieden sind doch beide notwendig und wichtig. Die Begrünung war im Übrigen Kresse - also Nahrung für den Menschen.

Kunst und Technik sind auf den ersten Blick so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Wie lassen sich Ihrer Meinung nach diese Gegensätze dennoch miteinander vereinbaren?
Gerade bei der Neue Materialien Bayreuth GmbH sind die Mitarbeiter in der Forschung darauf angewiesen, anders zu denken. Es werden neue Wege gesucht - der Denkansatz gleicht dem eines Künstlers. In Produktionsunternehmen ist dies schwieriger, da der Schwerpunkt auf Produktivität, Effizienz und Wiederholbarkeit der Arbeitsverfahren liegt. Beiden "Parteien" die jeweils andere Welt nahezubringen ist ein Erlebnis - und meiner Meinung nach auch sehr nachhaltig!

Was macht Ihrer Meinung nach den Reiz dieser Verbindung aus?
Wie kann ich einen Werkstoff oder ein Produkt anders verwenden, als der Ingenieur es sich gedacht hat? Wie bringe ich das Künstler- oder Designerhirn dazu, seine Gedanken einer Maschine anzuvertrauen? Solche oder ähnliche Fragen entstehen und regen zum Denken, Philosophieren und Spinnen an.

Was macht die Zusammenarbeit mit unserem Mitglied, der Neuen Materialien Bayreuth GmbH, für Sie zu etwas Besonderem?
Ganz klar die Offenheit der Mitarbeiter. Die Aufgaben des Unternehmens fordern unkonventionelles Denken, um Neues entstehen zu lassen. Selbst die scheinbar seltsamsten Bitten eines Künstlers wurden sofort erfüllt. Wir fühlten uns gut aufgehoben und perfekt unterstützt.

Zum Schluss interessiert mich stellvertretend für alle künstlerisch eher mäßig begabten Menschen folgende Frage: Kann jeder Mensch lernen, ein Künstler zu sein? Schließlich geben Sie und Ihre Frau ja auch Kurse.
Meiner Meinung nach ist die Grundvoraussetzung ein gewisser Spieltrieb. Ähnlich einer Schule sehen wir mit Freude ein fast garantiertes Fortkommen unserer Kursteilnehmer. Um gewisse Höhen zu erreichen, scheint mir jedoch strengste Selbstkritik, Weltoffenheit und ein gesundes Selbstbewusstsein das Wichtigste. Um es kurz zu sagen: Im Vordergrund sollte stehen, bei der Tätigkeit Freude zu haben und nicht das Ziel unsterblich, berühmt und reich zu werden. Da halte ich es gerne mit dem Motto des EPP-Forums - "Innovationen aus Leidenschaft".