59 | EPP im Dialog: Produktiver Workshop

Über diese tolle Resonanz freuen wir uns sehr: Zu unserem Expertenworkshop am 20. Juni bei einem unserer Mitgliedsunternehmen, der Kurtz Holding GmbH & Co. Beteiligungs KG, konnten wir 40 hochkarätige Teilnehmer – sogar aus Belgien, Italien und der Schweiz – in Kreuzwertheim begrüßen.

Eine zweite gute Nachricht hat sich direkt im dialogintensiven Workshop mit dem Thema "Leichtbaulösungen für mobile Freizeitanwendungen" herauskristallisiert: Mit seinen Topvoraussetzungen für energiesparenden Leichtbau und effiziente Isolierung sowie den unzähligen kreativen Möglichkeiten im Designbereich liegt expandiertes Polypropylen voll im Trend! Neben den bekannten Anwendungsbereichen Automotive, Verpackung und Transport, Sport und Freizeit sowie Möbel und Design ist unser multifunktionaler Partikelschaum nun auf dem besten Wege, auch auf dem Reisemobilsektor eine kleine Revolution zu starten.

Leichtbau im Fokus
Energiesparende und kosteneffiziente Leichtbauweise liegt im Trend. Ein Trend, bei dem man auf der Suche nach anwendungsorientierten Lösungen das Werkstoff-Leichtgewicht EPP unbedingt auf dem Zettel haben muss! Nachdem unser Werkstoff-Leichtgewicht schon im Automotive- und Verpackungsbereich neue Maßstäbe gesetzt hat, hat es sich das EPP-Forum zur Aufgabe gemacht, EPP endgültig aus dem Kreis der Hidden Champions herauszuholen und die Werkstoffzukunft auch in Nischenbereichen zu revolutionieren. Unser Workshop in Kreuzwertheim zeigte eindrucksvoll, wie das auf dem Sektor der Freizeitmobile gelingen kann.

Gewicht reduzieren – Optik verbessern
In seinem Vortrag "Leichtbau für Wohnwagen und Reisemobile" referierte Ludger Reinker über die Anforderungen an moderne Freizeitmobile und deren Konsequenzen für die Bauweise der Zukunft. Drei wesentliche Gründe für den Leichtbau machte der Leiter Konstruktion bei der LMC Caravan GmbH & Co. KG aus: An erster Stelle stünden die Kundenwünsche nach erhöhter Ausstattung. Ein größerer Kühlschrank, der Fahrradträger für das E-Bike oder die Satellitenanlage seien aber nicht nur mit mehr Komfort, sondern auch mit mehr Gewicht verbunden, was die erlaubte Zuladung verringere. Neben den energiesparenden Auswirkungen der Leichtbauweise im Bereich Kraftstoff, müssten die Hersteller von Freizeitmobilen immer auch die magische Grenze von 3,5 Tonnen im Auge behalten. An dieser Grenze scheiden sich nicht nur Gebühren für Maut, Steuer und Versicherung, sondern auch Geschwindigkeitsbegrenzungen, Parkplatzregelungen und – ganz wichtig – sogar die Fahrerlaubnis, denn die neue Führerscheinregelung gestattet jungen Fahranfängern in der Klasse B nur das Lenken von Fahrzeugen bis zu diesem Gewicht.

Die einhellige Forderung der reisefreudigen Kunden und Fahrzeugvermieter: Reisemobile mit mehreren Schlafplätzen, aber bitte unter 3,5 Tonnen! Eine große Herausforderung für die Hersteller, kommentierte Ludger Reinker und versicherte, dass das Thema Gewichtsreduzierung, etwa bei Seitenwänden, Türen oder Möbeln, auch weiterhin eine der wichtigsten Aufgaben der Zukunft in der Branche sei. Vor allem mit Sandwichbauweise mit Styroporeinlagen und dem Einsatz leichterer Materialien aus dem Metall- und Sperrholzbereich haben die beliebten Freizeitmobile bereits um einiges abspecken können. Wohl angesichts vorherrschender Vorteile betonte der Experte, dass es sich bei der neuen Leichtbauweise keineswegs um Billigproduktionen handle: "Durch den Leichtbau wird die Qualität nicht verschlechtert, sondern es werden neue Möglichkeiten geboten, den Ansprüchen der Kunden, gerade auch im optischen Bereich, gerecht zu werden."

Integrierte Funktionalität
Kurt Wachtveitl von der Knaus Tabbert GmbH referierte über "Gewichtsoptimierte technische Komponenten im Caravanbau". Wachtveitl, der unter anderem in einem Projekt zur Gewichtsreduktion bei Reisemobilen an der Universität Landshut nach alternativen Leichtbaulösungen sucht, ist vom Einsatz von EPP als Leichtbauwerkstoff mit integrierter Funktionalität überzeugt. Der Experte fand bei expandiertem Polypropylen gleich eine Vielzahl von wesentlichen Gründen, die die Entscheidung zugunsten des innovativen Partikelschaums begünstigen: Herausragend seien das geringes Bauteilgewicht, die günstigen Bauteilekosten und die hinreichende Festigkeit von EPP. Nahezu beliebige Gestaltungsmöglichkeiten, gute Schalldämmeigenschaften, perfekt integrierbare Funktionen sowie eine widerstandsfähige Oberfläche rundeten das Anwendungsprofil von expandiertem Polypropylen an. Zusätzliches Plus: Der Werkstoff bringt zudem eine ausgezeichnete Recyclingfähigkeit mit.

Als Einsatzbereiche von EPP-Komponenten in einem voll integrierten Reisemobil nannte Wachtveitl die Motorraumabdeckung, die Radhausschalen vorne und hinten, die Eintrittstufe sowie die Tankisolierhaube. Schon jetzt zeige sich das hohe Potenzial von EPP im Hinblick auf Anforderungsprofil und Machbarkeit und damit auf das erfolgreiche Endprodukt. Bestechend sei die mögliche Reduzierung der Teilevielfalt: Beispielsweise könnten bei der Motorraumabdeckung mit Radkasten durch die integrative Bauweise mit EPP die 29 Einzelteile (Holz, Blech, Dämmstoff) der konventionellen Bauweise auf 4 Formschaumteile reduziert werden. Beeindruckend ist auch ein Vergleich der Herstellkosten. Auch hier ist EPP deutlich effizienter – sowohl bei den Material- als auch bei den Fertigungskosten.

Typisch für die Arbeitsweise des EPP-Forums ist die konsequente Zusammenschau von theoretischen Grundlagen und anwendungsbezogener Praxis. So konnten beim Expertenworkshop nach den diskussionsintensiven Vorträgen bei einer Unternehmenspräsentation der Tischer Freizeitfahrzeuge GmbH von den Teilnehmern eine Vielzahl interessanter Aufbauten unter die Lupe genommen werden.

Tolle Atmosphäre
Von einer "tollen Atmosphäre" und dem "hochkarätig besetzten Auditorium" von Granulatherstellern über Verarbeiter bis hin zu Anwendern zeigte sich mit Dipl. Ing. Kurt Wachtveitl auch die Referentenseite beim Workshop begeistert. Der Experte für Freizeitfahrzeuge war vor allem von den regen Diskussionen während der Vorträge, aber auch in den Pausen beeindruckt: "So ein ganzheitlicher Dialog, wie er beim Workshop geführt wurde, ist absolut wichtig", erhoffte sich Wachtveitl, dass aus den neu geknüpften Kontakten nun ganz neue Ideen für Anwendungsmöglichkeiten – gerade auch in Nischenbereichen – entstehen. Dabei seien seiner Meinung nach vor allem die Spezialisten für die Verarbeitung gefragt: "Sie müssen die Triebfeder sein."

Dass immer auch ein wenig Mut zu innovativen Projekten gehöre, habe er in seinem Projekt zur Verwendung von EPP im Caravanbau selbst erlebt. Motiviert vom Wunsch, über den EPP-Einsatz zunehmend die energiesparende Leichtbauweise sowie effiziente Isolierungen zu realisieren, habe man das Einsatzfeld von expandiertem Polypropylen kontinuierlich erweitert. Das sei am Anfang "ziemlich mutig" gewesen, sagte Wachtveitl, setzte aber im gleichen Atemzug hinzu: "Wir waren aber bereits im Vorfeld überzeugt, dass nichts Negatives dabei herauskommen wird."

Fruchtbare Kontakte
"Wir haben gute neue Kontakte knüpfen können", lautete die positive Bilanz von Tony Wiegandt, Profi für innovative Befestigungslösungen bei der EJOT Holding GmbH & Co. KG, die seit diesem Jahr zu den Fördermitgliedern des EPP-Forums gehört. Als Spezialist für Verbindungstechniken hatte sich Wiegandt vor allem für die Art und Weise, wie moderne Wohnmobile gebaut werden, interessiert. Sein Fazit: "Wir haben einige neue Potenziale entdeckt und am Workshop sogar schon Termine ausmachen können, um spezifische Verbindungslösungen zu besprechen." Auch ein Lob ans EPP-Forum verteilte Wiegandt: Die Fördermitgliedschaft habe sich jetzt schon durch die geknüpften Netzwerke bezahlt gemacht.

"Eine spannende Geschichte"
Für Marieluise Lang, die an der Universität Bayreuth unter anderem auch auf dem Gebiet der Partikelschäume forscht, war beim Expertenworkshop vor allem die Begegnung mit der Praxis interessant. "Das war schon eine spannende Geschichte", kommentierte die Wissenschaftlerin, die sich im Hochschulbereich nahezu ausschließlich mit Grundlagenuntersuchungen beschäftigt. "Es war höchst interessant, einen vertieften Einblick darüber zu erhalten, wie sich das Material – auch über einen längeren Zeitraum – in der alltäglichen Anwendung verhält. Besonders aufschlussreich, so Marieluise Lang, sei im Rahmen des Workshops dabei auch der Austausch mit den Anwendern gewesen.

Attraktive Netzwerke
Über den erfolgreichen Verlauf des Expertenworkshops freute sich besonders Dipl.-Ing. Walter Kurtz. Der Vorstandsvorsitzende des EPP-Forums sprach von einem überwältigend positiven Feedback durch die zahlreichen Teilnehmer: "Jeder, mit dem ich gesprochen habe, war zufrieden." Neben "unglaublich interessanten wie informativen Expertenreferaten" sei es vor allem der rege Dialog gewesen, den die Teilnehmer zu schätzen wussten. Sind denn schon Netzwerke geknüpft oder konkrete Pläne zur Zusammenarbeit geschmiedet worden? "Auf jeden Fall", so Kurtz. Und noch etwas freute den Spezialisten für Schaumstoffmaschinen, in dessen Unternehmen der Expertenworkshop zu Gast war: "Viele Teilnehmer haben noch vor Ort gefragt, wann der nächste Workshop geplant ist."

Erfolgreiches Konzept
Fazit: Das Grundidee des dialogorientierten Expertenworkshops hat sich für das EPP-Forum jetzt schon bewährt. Vom Konzept der diskussionsintensiven Veranstaltung mit eher familiärem Charakter wurde auch angesichts der hohen Resonanz des Fachpublikums auf die Vorträge hochkarätiger Experten nicht abgewichen, sondern lediglich die Rahmenbedingungen behutsam an die größere Teilnehmerzahl angepasst. In fruchtbarer Netzwerkarbeit diskutierten EPP-Profis und -Neulinge, Teilnehmer aus Verarbeitung, Anwendung, Werkzeug- und Maschinenbau miteinander und gaben ausnahmslos positive Rückmeldungen. Fazit von Organisator Christian Traßl: "Das ist ein erfolgreiches Konzept, das wir in jedem Fall fortführen werden."

Neue Workshops in Planung
Für alle Interessierten plant das EPP-Forum bereits die nächsten beiden Workshops, in denen es um Werkzeug- und Bauteilauslegung sowie um Toleranzen und Konstruktionsrichtlinien von EPP-Formteilen gehen wird. Auch den spontan vorgetragenen Wunsch von Workshopteilnehmern nach einer Veranstaltung zum Thema Oberflächengestaltung und – optimierung von EPP-Formteilen nimmt das EPP-Forum genauso wie zukünftige Vorschläge gerne auf.

Ganzheitlicher Dialog
Die etwa zwei bis drei Mal jährlich stattfindenden Expertenworkshops sind als sinnvolle Ergänzung zu den großen Fachtagungen gedacht. Sie zeichnen sich durch eine besonders günstige Kostenstruktur aus und haben stets aktuelle Fragestellungen als Thema. Charakteristisch ist der ganzheitliche Dialog zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, Herstellern und Anwendern, Kunden und Lieferanten, der durch den fast familiären Charakter einer überschaubaren Teilnehmerzahl gewährleistet wird. Verständnis für die Sichtweisen des Gesprächspartners, die kompetente Beantwortung von Fachfragen durch Experten, spannende Ausblicke auf zukünftige Trends, angeregter Informations- und Erfahrungsaustausch sowie der primäre Netzwerkgedanke kennzeichnen die Workshops.